DS 1 (Di, 18.08.) – Chemisches Gleichgewicht (Diagnose und Korrektur)
Diagnose-Einstieg – Was denkst du?
Bewerte die folgenden 4 Aussagen spontan mit ✓ (stimme zu), ✗ (stimme nicht zu) oder ? (unsicher) – bevor du mit den Stationen beginnst. Es gibt hier noch keine Auflösung, das machen wir am Ende gemeinsam.
Bearbeite die Stationen 1–4 der Reihe nach in deinem eigenen Tempo. Kontrolliere nach jeder Station mit dem Lösungsblatt. Wenn du nicht weiterkommst, hole dir Hilfe bei der Lehrkraft oder einem Tempo-Partner.
Station 1 – Grundlagen: Das chemische Gleichgewicht
Viele chemische Reaktionen laufen nicht vollständig ab, sondern erreichen einen Zustand, bei dem Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen – das chemische Gleichgewicht . Auf Teilchenebene reagieren ständig weiter Teilchen, auf Stoffebene ändern sich die Konzentrationen aber nicht mehr (dynamisches Gleichgewicht).
Für eine allgemeine Reaktion aA + bB ⇌ cC + dD gilt das Massenwirkungsgesetz (MWG) : K = ([C]ᶜ·[D]ᵈ) / ([A]ᵃ·[B]ᵇ). K heißt Gleichgewichtskonstante.
Achtung, verbreiteter Irrtum: „Gleichgewicht" bedeutet im Alltag oft „gleiche Mengen" (wie bei einer Waage). Im chemischen Gleichgewicht können die Mengen von Edukten und Produkten aber sehr unterschiedlich sein – entscheidend ist nur, dass sich Hin- und Rückreaktion die Waage halten (gleiche Geschwindigkeit), nicht dass gleiche Mengen vorliegen.
Aufgabe: Formuliere in eigenen Worten, was es bedeutet, wenn K sehr groß bzw. sehr klein ist. Beziehe dich dabei auf den Irrtum oben: Warum sagt K nichts über „gleiche Mengen" aus?
Deine Antwort
Lösung zur Selbstkontrolle
K sehr groß: Das Gleichgewicht liegt stark auf der Produktseite (Reaktion läuft fast vollständig ab). K sehr klein: Das Gleichgewicht liegt stark auf der Eduktseite (kaum Umsatz). K ist ein Verhältnis von Produkt- zu Eduktkonzentrationen – bei K ≠ 1 liegen also gerade NICHT gleiche Mengen vor. „Gleichgewicht" bezieht sich auf die Geschwindigkeiten von Hin- und Rückreaktion, nicht auf die Mengenverhältnisse.
Station 2 – Prinzip von Le Chatelier
Wird ein System im chemischen Gleichgewicht von außen gestört (Zwang), reagiert es so, dass es dem Zwang entgegenwirkt – das Gleichgewicht verschiebt sich, bis ein neues Gleichgewicht erreicht ist.
Konzentration: Erhöht man die Konzentration eines Stoffes, verschiebt sich das Gleichgewicht auf die gegenüberliegende Seite.
Druck (bei Gasreaktionen): Druckerhöhung begünstigt die Seite mit weniger Gasteilchen.
Temperatur: Temperaturerhöhung begünstigt die endotherme Richtung, Temperatursenkung die exotherme Richtung.
Achtung, verbreiteter Irrtum: Konzentrations- oder Druckänderungen verändern nicht die Gleichgewichtskonstante K – K bleibt bei gleicher Temperatur konstant! Was sich ändert, ist nur die Lage des Gleichgewichts (das Mengenverhältnis, mit dem sich das System neu einpendelt). Nur eine Temperaturänderung verändert K selbst.
Aufgabe: Nenne ein Alltagsbeispiel, bei dem du eine Gleichgewichtsreaktion beeinflussen könntest (z. B. beim Kochen, Backen oder Lagern von Lebensmitteln). Erkläre dabei, ob sich K oder nur die Gleichgewichtslage ändert.
Deine Antwort
Station 3 – Anwendung: Der Claus-Prozess
Material: Der Claus-Prozess dient der Schwefelherstellung aus Schwefelwasserstoff (H₂S), der bei der Erdgas-/Erdölentschwefelung anfällt. In der ersten (exothermen) Reaktion wird ein Teil des H₂S bei ca. 1000 °C mit Sauerstoff zu Wasser und Schwefeldioxid umgesetzt. Das entstandene SO₂ reagiert im zweiten Reaktor bei ca. 300 °C an einem Katalysator mit weiterem H₂S zu elementarem, flüssigem Schwefel und Wasser. Der gebildete Schwefel wird laufend aus dem Reaktor entfernt.
Aufgabe: Stelle die Reaktionsgleichungen für beide Reaktionsschritte auf. Begründe mit dem Prinzip von Le Chatelier, warum der Schwefel laufend entfernt wird und wie sich eine Druckerhöhung auf die erste Reaktion auswirkt.
Deine Antwort
Lösung zur Selbstkontrolle
2 H₂S(g) + 3 O₂(g) ⇌ 2 SO₂(g) + 2 H₂O(g)
SO₂(g) + 2 H₂S(g) ⇌ 3 S(l) + 2 H₂O(g)
Entfernung des Produkts Schwefel: Das Gleichgewicht der zweiten Reaktion wird laufend auf die Produktseite verschoben, damit ständig weiteres SO₂ „nachgebildet" bzw. umgesetzt werden kann – die Hinreaktion wird begünstigt.
Druckerhöhung bei Reaktion 1: Das Gasvolumen sinkt von 5 auf 4 Volumenteile (Edukt- zu Produktseite) – eine Druckerhöhung begünstigt daher die Seite mit weniger Gasteilchen, also die Hinreaktion.
Station 4 – Anwendung: Hochofenprozess und Boudouard-Gleichgewicht (Erweiterung)
Material: Im Hochofen wird Eisenerz mit Koks (Kohlenstoff) zu Roheisen reduziert. Kohlenstoff reagiert zunächst exotherm mit Luftsauerstoff zu Kohlenstoffdioxid (Reaktion 1). Das entstandene CO₂ reagiert sofort endotherm mit weiterem Kohlenstoff zu Kohlenstoffmonoxid weiter (Reaktion 2, das sogenannte Boudouard-Gleichgewicht , ΔrH° = 172 kJ/mol). In der Reduktionszone wird Eisen(II)-oxid mit Kohlenstoffmonoxid zu Eisen und Kohlenstoffdioxid umgesetzt (Reaktion 3).
Aufgaben:
Stelle die Reaktionsgleichungen 1–3 auf.
Bestätige anhand der Oxidationszahlen, dass Reaktion 3 eine Redoxreaktion ist.
Erkläre nach Le Chatelier, wie sich eine Temperatursenkung unter 900 °C auf das Boudouard-Gleichgewicht auswirkt und warum das für den Hochofenbetrieb problematisch ist.
Deine Antworten (1–3)
Lösung zur Selbstkontrolle
1. C + O₂ → CO₂ (Reaktion 1) · C + CO₂ ⇌ 2 CO (Reaktion 2, Boudouard) · FeO + CO → Fe + CO₂ (Reaktion 3)
2. Fe: von +II auf 0 (Reduktion), C: von +II auf +IV (Oxidation) → Redoxreaktion
3. Reaktion 2 ist endotherm (ΔrH° > 0). Temperatursenkung begünstigt nach Le Chatelier die exotherme Rückreaktion – das Gleichgewicht verschiebt sich zu CO₂, es entsteht weniger CO. Da CO für die Reduktion in Reaktion 3 benötigt wird, reicht die Menge dann nicht mehr aus, um den Hochofen zu betreiben.
Auflösung Diagnose-Einstieg
Vergleiche jetzt deine Einschätzung von Anfang der Stunde mit der Auflösung. Wo lagst du richtig, wo hattest du eine andere Vorstellung?
Lösung zur Selbstkontrolle
A. Falsch. Edukte/Produkte liegen im GG nicht zwangsläufig zu gleichen Mengen vor – das hängt von K ab (s. Station 1).
B. Richtig. Das GG ist dynamisch: Hin- und Rückreaktion laufen ständig weiter, nur gleich schnell.
C. Falsch. K ändert sich nur mit der Temperatur, nicht durch Konzentrations- oder Druckänderung (s. Station 2).
D. Falsch. Die Reaktion stoppt nicht – sie läuft in beide Richtungen weiter, nur ist auf Stoffebene keine Nettoveränderung mehr sichtbar.
🟢 Kann ich sicher
🟡 Kann ich mit Hilfe
🔴 Muss ich noch üben
Ich kann … 🟢/🟡/🔴
… erklären, was ein chemisches Gleichgewicht ist. – 🟢 🟡 🔴
… das Prinzip von Le Chatelier erklären und anwenden. – 🟢 🟡 🔴
… den Einfluss von Konzentration, Druck und Temperatur auf ein Gleichgewicht vorhersagen. – 🟢 🟡 🔴
… erklären, warum Konzentrations-/Druckänderungen K nicht verändern. – 🟢 🟡 🔴
DS 2 (Do, 20.08.) – Reaktivierung Säure-Base-Chemie
AB 1a – Mindmap Säure-Base-Grundlagen
Erstellt in eurer Gruppe eine Mindmap zu folgenden Begriffen. Ordnet sie sinnvoll zueinander an und ergänzt kurze Erklärungen (Stichpunkte reichen):
Protolyse · Donator · Akzeptor · Oxonium-Ion (H₃O⁺) · korrespondierendes Säure-Base-Paar
Leitfrage: Was passiert bei einer Protolyse – wer gibt was an wen ab?
Stichpunkte zu eurer Mindmap
AB 1b – pH/pOH, starke/schwache Säuren-Basen, Neutralisation (Kurzwiederholung)
Nenne den Zusammenhang zwischen pH-Wert und pOH-Wert bei 25 °C.
Erkläre in einem Satz den Unterschied zwischen einer starken und einer schwachen Säure.
Formuliere die allgemeine Reaktionsgleichung für eine Neutralisationsreaktion.
Deine Antworten (1–3)
Lösung zur Selbstkontrolle
1. pH + pOH = 14 (bei 25 °C)
2. Starke Säuren protolysieren in Wasser vollständig, schwache Säuren nur teilweise (Gleichgewicht).
3. Säure + Base → Salz + Wasser
AB 1c – Berechnungsbeispiele (Erweiterung)
Berechne den pH-Wert einer starken Säure: c(HCl) = 0,1 mol/L.
Berechne den pH-Wert einer schwachen Säure über den pKS-Wert: c(Essigsäure) = 0,1 mol/L, pKS = 4,75. Formel: pH = ½·(pKS − log c)
Titrationsaufgabe: 100 mL einer Säure unbekannter Konzentration werden mit 1-molarer NaOH-Lösung titriert. Nach Zugabe von 12,5 mL NaOH-Lösung schlägt der Indikator um (Äquivalenzpunkt erreicht). Berechne die Konzentration der Säure.
Deine Rechenwege und Ergebnisse
Lösung zur Selbstkontrolle
Starke Säure: pH = −log(0,1) = 1
Schwache Säure: pH = ½·(4,75 − log(0,1)) = ½·(4,75+1) = 2,88
Titration: c(Säure)·V(Säure) = c(Base)·V(Base) → c(Säure) = (1 mol/L · 0,0125 L) / 0,100 L = 0,125 mol/L
DS 3 (Di, 25.08.) – Redoxreaktionen als Elektronenübertragung
AB 2a – Experimentprotokoll: Eisennagel in Kupfersulfat-Lösung
Sicherheitshinweise: Schutzbrille tragen. Kupfersulfat-Lösung nicht auf die Haut/in die Augen bekommen, bei Kontakt sofort mit Wasser spülen. Nach dem Versuch Hände waschen. Reste in den bereitgestellten Sammelbehälter geben – nicht in den Ausguss.
Material: Eisennagel (blank), Kupfersulfat-Lösung (0,5 mol/L), Reagenzglas, Reagenzglasständer
Notiere deine Beobachtung vor Beginn (Aussehen von Nagel und Lösung).
Tauche den Eisennagel für ca. 5 Minuten in die Kupfersulfat-Lösung. Notiere Veränderungen.
Formuliere eine Vermutung: Welcher Stoff wird gebildet? Woher stammt er?
Dein Protokoll (1–3)
AB 2c – Hausaufgabe: Elektronengasmodell (Wiederholung Sek I)
Beschreibe in eigenen Worten das Elektronengasmodell der Metallbindung.
Erkläre, warum Metalle Strom leiten können.
Überlege: Welche Elektronen sind beim Eisennagel-Versuch „frei beweglich" – und wie hängt das mit der Elektronenabgabe zusammen?
Deine Antworten (1–3)
DS 4 (Di, 01.09.) – Oxidationszahlen, Redoxgleichungen, Vergleich zu Säure-Base
AB 3a – Regeln der Oxidationszahlen
Die vollständigen Regeln (inkl. Vorgehen bei organischen Molekülen und Lewis-Formel-Methode) stehen im ausgeteilten Original-Arbeitsblatt „AB2_Oxidationszahlen.pdf" . Bearbeite dort Aufgabe 2a+b, danach geht es hier mit AB3b weiter.
AB 3b – Redoxgleichungen aufstellen und prüfen
Prüft mithilfe der Oxidationszahlen, ob es sich um eine Redoxreaktion handelt, und stellt bei „Ja" Teil- und Gesamtgleichung auf.
Basis: Zn + AgNO₃ → Zn(NO₃)₂ + Ag
Erweiterung: Fe + CuSO₄ → FeSO₄ + Cu sowie NaOH + HCl → NaCl + H₂O (Vergleichsfall – ist das eine Redoxreaktion? Begründet über Oxidationszahlen.)
Deine Lösungswege
Lösung zur Selbstkontrolle
Basis: Ja, Redoxreaktion. Zn → Zn²⁺ + 2e⁻ (Oxidation); Ag⁺ + e⁻ → Ag (Reduktion); Gesamt: Zn + 2 Ag⁺ → Zn²⁺ + 2 Ag
Erweiterung: Fe/CuSO₄ ist eine Redoxreaktion (analog AB2b). NaOH + HCl ist keine Redoxreaktion – alle Oxidationszahlen bleiben gleich, es findet nur ein Protonenübergang (Neutralisation) statt.
AB 3c – Vergleich: Säure-Base-Reaktion vs. Redoxreaktion
Füllt die Tabelle in Partnerarbeit aus. Auflösung direkt darunter zur Selbstkontrolle.
Lösung zur Selbstkontrolle
Säure-Base-Reaktion Redoxreaktion
Art der übertragenen Teilchen Protonen (H⁺) Elektronen (e⁻)
Korrespondierende Paare Säure-Base-Paare, z. B. CH₃COOH/CH₃COO⁻ Redoxpaare, z. B. Fe³⁺/Fe²⁺
Donator Brønsted-Säure: HA → H⁺ + A⁻ Reduktionsmittel: Red → Ox + z e⁻
Akzeptor Brønsted-Base: B + H⁺ → HB⁺ Oxidationsmittel: Ox + z e⁻ → Red
Gesamt Säure-Base-Gleichgewicht: HA + B ⇌ HB⁺ + A⁻ Redoxgleichgewicht: Red₁ + Ox₂ ⇌ Ox₁ + Red₂
Erweiterung (nur eA, hier nicht verbindlich): quantitative Beschreibung über pKS-Wert bzw. Standard-Elektrodenpotenzial; Konzentrationsabhängigkeit über Puffergleichung bzw. Nernst-Gleichung.
Zusatzaufgabe (KI-Prompting-Übung, freiwillig/für schnelle Gruppen): Lass dir von einem KI-Modell (z. B. Claude) eine selbst gewählte Redoxreaktion mit Oxidationszahlen erklären. Prüfe die Antwort anschließend selbst anhand der Regeln von AB2_Oxidationszahlen.pdf – findest du einen Fehler oder eine ungenaue Stelle? Notiere, wie du geprüft hast.
Deine Notizen zur Zusatzaufgabe
Selbsteinschätzung (Ampel)
Schätze für jede Aussage aus dem Kompetenzraster ehrlich ein, wo du stehst:
🟢 Kann ich sicher
🟡 Kann ich mit Hilfe
🔴 Muss ich noch üben
Ich kann … 🟢/🟡/🔴
… erklären, was eine Redoxreaktion ist und sie von einer Säure-Base-Reaktion unterscheiden. – 🟢 🟡 🔴
… anhand meines Experiments beschreiben, wer Elektronen abgibt/aufnimmt. – 🟢 🟡 🔴
… Oxidationszahlen nach Regeln bestimmen. – 🟢 🟡 🔴
… Teil- und Gesamtgleichungen für Redoxreaktionen aufstellen. – 🟢 🟡 🔴
… kurz erklären, warum Metalle Strom leiten. – 🟢 🟡 🔴
Bei mehreren 🔴: Sprich mit deiner Lehrkraft oder nutze die Übungsaufgaben nochmal vor der nächsten Stunde (Redoxreihe der Metalle).